Schluss
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Dieser Artikel stellt kein Spiel vor, das man mal eben machen kann. Er will vielmehr dazu anregen, sich einmal mit dem Ende zu beschäftigen. Dabei geht es gar nicht mal um Tod und Sterben, sondern um die vielen Abschiede, die sich immer wieder – zum Teil wöchentlich – ergeben: der letzte Tag im Ferienlager, die letzte Gruppenstunde vor den Sommerferien, die letzten Minuten einer jeden Gruppenstunde. „Aufräumen“ steht meist auf dem Programm (und manch einer verpieselt sich schon, bevor es dazu kommt). Aber es geht in der Schlussphase um viel mehr und man kann drei Funktionen unterscheiden:
Inhaltsverzeichnis |
Formen
Inhaltlicher Abschluss
Was in der Gruppenstunde, im Ferienlager gemacht wurde, wird zu einem Ende gebracht. Spiele, Bastelarbeiten, Diskussionen werden beendet und ausgewertet, so dass sie „rund“ sind. Was nicht fertig geworden ist, muss vertagt werden: Auch hierbei ist wichtig, ein Zwischenergebnis festzuhalten und den Ausblick zu geben, wann und wie weitergemacht wird. Alles, was nicht abgeschlossen ist, hinterlässt einen faden Nachgeschmack: „Wofür haben wir das jetzt eigentlich gemacht?“ fragen sich nicht nur die Kinder, wenn die gebastelten Pappmache-Schweine zwar zum Trocknen in den Keller gebracht, aber nie wieder hervorgeholt werden. Dabei kann eine Auswertung auch ein Scheitern feststellen: Wenn zum Beispiel eine Leiterrunde eine Veranstaltung planen will und nach zwei Stunden feststellt, dass das Vorhaben undurchführbar ist, ist auch das ein Ergebnis, das festgehalten werden kann.
Organisatorischer Abschluss
Es hat vor allem für die Gruppenleiter große Auswirkungen, wenn sie den organisatorischen Abschluss nicht gut vorbereiten. Wenn sie den Kindern nicht rechtzeitig sagen, was sie wann aufräumen sollen, sind sie auf einmal alle weg und die Gruppenleiter stehen selbst vor dieser Arbeit. Was muss alles noch erledigt werden, bevor die ersten gehen? Teilnehmerlisten unterschreiben lassen, Gruppenfotos machen, Geld einkassieren, Informationen bekannt geben, Zettel verteilen, Termine vereinbaren und so weiter… All das muss ja übrigens gar nicht unbedingt immer zum Schluss gemacht werden (Stichwort: „Was wir haben, haben wir!“), aber die Schlussphase ist nun einmal die letzte Gelegenheit dazu.
Emotionaler Abschluss
Niemand wird bestreiten, dass in Gruppen auch emotionale Bindungen entstehen. Und mit dem Ende der Gruppe werden oft auch diese Bindungen wieder aufgelöst. Vor Ort ist das vielleicht noch nicht so stark zu spüren wie auf anderen Ebenen: Teilnehmer eines Gruppenleiterkurses, die eine Woche lang zusammen gearbeitet und gelebt haben, werden sich möglicherweise anschließend nie wieder sehen. Aber auch vor Ort gilt das gleiche: Wie oft begegnen sich Teilnehmer und Betreuer eines Ferienlagers anschließend noch? Es ist daher wichtig, Raum und Gelegenheit zum emotionalen Abschluss zu geben.
„Warming down“
Den inhaltlichen und organisatorischen Abschluss bekommt man schon irgendwie auf die Reihe, aber wie sieht das mit dem emotionalen Abschluss aus? Methoden zum „Warming Up“, zum Miteinander-Warmwerden in einer neuen Gruppe, gibt es viele, denn aus den Einzelpersonen soll am Anfang des Gruppenprozesses schließlich ein Team werden. – Das Gegenteil ist am Ende notwendig, denn wenn die Gruppe sich trennt, steht wieder jeder für sich allein da. Ein gelenktes „Warming down“ würde den Gruppenmitgliedern hier den Abschied erleichtern. Wie kann das gehen?
Spiele
Wenn die Gruppe ihr (inhaltliches) Thema abgeschlossen hat, kann sie selbst noch einmal in den Mittelpunkt rücken, also warum nicht noch einmal – wie beim Warming Up – miteinander spielen? Besonders gut ist es, wenn schon bekannte Spiele wieder auftauchen, vielleicht ein „Best of“ angeboten wird: welche Spiele haben der Gruppe besonders gut gefallen?
Feedback
Ein Abschied verleitet sowieso dazu, auf die gemeinsame Zeit zurückzuschauen und sie zu bewerten. Also bieten sich Methoden an, Feedback zu geben oder zu bekommen. Das kann mündlich oder schriftlich sein und unter verschiedenen Blickrichtungen stehen: Ich, die Gruppe, die Leitung, das Thema, meine Zukunft. Ein Beispiel: Die Gruppe sitzt im Kreis, jeder bekommt Zettel und Stift, in der Mitte stehen ein geöffneter Koffer und ein Papierkorb. Fragestellungen: Was aus der Gruppenarbeit lässt du hier, was war für dich „Müll“? Was aus der Gruppenarbeit nimmst du mit, was war für dich wertvoll? Jeder schreibt zu den Fragen je ein, zwei Dinge auf. Der Reihe nach stellt jeder seine Punkte vor und legt sie in den Papierkorb bzw. in den Koffer.
Rücken stärken
Wenn die Gruppe länger und besonders intensiv zusammengearbeitet hat, ist häufig der Wunsch da, dem anderen einen Wunsch mit auf den Weg zu geben. Hier bietet die Methode „Rücken stärken“ eine Möglichkeit: Jeder lässt sich einen Zettel auf seinen Rücken kleben und nimmt sich selbst einen Stift. Nun kann jeder jedem anderen seine guten Wünsche auf den Rücken schreiben. Erst, wenn alle fertig sind, nimmt man seinen Zettel ab und kann sich durchlesen, was die anderen einem wünschen. Gleichzeitig ist der Zettel etwas Handfestes, das man aus der Gruppenarbeit mitnehmen kann.
Andenken
Um nach einem Kurs oder einem Ferienlager den Übergang ins „normale Leben“ zu erleichtern, können auch Andenken erstellt werden. So stellt man sich – noch als Teil der Gruppe – gedanklich bereits auf die Zeit nach der Gruppe ein. Andenken können Gegenstände sein, Bilder oder Texte, ein Poesiealbum, das Lager-T-Shirt oder eine „Autogrammkarte“ (eine großes Blatt mit einem Gruppenfoto und den Unterschriften aller Teilnehmer).
Dank
Zwar häufig vergessen oder nicht für nötig gehalten, aber dennoch nicht zu unterschätzen ist der Dank an die Gruppenleiter. „Wer dankt, führt“ könnte man vielleicht sagen. Wenn Teilnehmer sich zum Abschluss einer Gruppe bei den Gruppenleitern bedanken, zeigt das auch, dass sie die Leitung nun nicht mehr nötig haben, dass die Gruppenarbeit also tatsächlich abgeschlossen ist. Das bedeutet aber auch, dass in diesem Fall die Gruppenmitglieder selbst die Initiative ergreifen müssen.
Abschluss
So unterschiedlich die Gruppen in Bezug auf Alter, Größe, Dauer und Zielsetzung sind, so unterschiedlich werden auch die Schlussphasen sein. Dieser Artikel sollte und konnte daher weniger konkrete Methoden an die Hand geben als zum Nachdenken anregen. Ich würde mich freuen, wenn mir das gelungen ist. (Und das war doch jetzt auch ein guter Abschluss für diesen Artikel, oder?)
Literatur
- Ulrich Baer u.a.: Sag beim Abschied… Spiele, Materialien und Methoden für Schlussphasen in der Gruppenarbeit. Seelze 1998.
- Karlheinz A. Geißler: Schlusssituationen. Die Suche nach dem guten Ende. 3. Auflage. Weinheim und Basel 2000.
